Schach-Computer sind keine Erfindung des letzten Jahrhunderts!  Schon 1770 machte der erste "Schachspiel-Automat" Furore und beeindruckte seine Zeitgenossen. Wenn auch mit einem simplen Trick!

 

Der erste Vorläufer der Schachcomputer entstand schon 1770, als Wolfgang von Kempelen in Wien der damaligen österreichischen Kaiserin Maria Theresia seinen „Schachtürken" vorstellte.

Der Apparat bestand aus einem kastenförmigen Schachtisch hinter dem eine lebensgroße Figur saß, die einem Türken ähnelte. Kempelen hatte großen Erfolg mit seiner Figur und reiste bis 1785 damit durch Europa. Seine Präsentationen ähnelten denen eines Magiers. Er öffnete den Innenraum des Schachtisches, um dem Publikum zu zeigen, dass sich im Inneren nur Zahnräder befinden. Das war zumindest das, was das Publikum sehen konnte.

In Wahrheit befand sich im Inneren des Kastens ein geübter Schachspieler, der mit einem eigenen Brett die Partie nachspielte. Anhand von Magneten sah er, wo sich die Figuren befanden und welche geschlagen wurden. Der bewegliche Arm des Türken wurde beim Ziehen der Figuren mit Hilfe eines Hebels gesteuert. Kempelen gab zwar immer zu, dass hinter diesem Apparat ein Trick steckte, erklärte jedoch nicht, um was es sich handelte. Das Publikum war fasziniert von der Spielstärke des Türken und von dem dahinter steckenden Geheimnis.

1804 starb Kempelen und sein Sohn verkaufte den Türken an den Mechaniker und Schausteller Johann Nepomuk Mälzel, der mit ihm nicht nur durch Europa reiste, sondern auch in Amerika die Besucher ins Staunen versetzte. Während dieser Reisen gewann der Türke unter anderen gegen Napoleon und Benjamin Franklin. Viele bekannte Leute zerbrachen sich den Kopf um diese Maschine. So veröffentlichte Edgar Allen Poe 1836 ein Essay mit dem Namen „Mälzels Schachspieler". Er hatte 1835 gegen den Schachtürken gespielt und vermutete schon damals dass sich im Inneren der Maschine ein Schachspieler befand.

1840 war dann jedoch auch die zweite Blütezeit des Türken vorbei. Die Maschine kam in ein Museum und das Geheimnis wurde gelüftet. Für einen Dollar erfuhren die Besucher, wie der Automat funktionierte. Da nun nichts Geheimnisvolles den Türken mehr umgab, sank das Interesse rasch. 1854 kam dann das traurige Ende, der Automat verbrannte im „Chinesischen Museum" in Philadelphia. Auch wenn der Türke nicht wirklich automatisch sondern mit Hilfe eines Tricks funktionierte so zeigt das große Interesse doch die bereits frühe Begeisterung für Technik und Automaten.

Das Heinz Nixdorf Museum in Paderborn hat sich den 200. Todestag von Wolfgang von Kempelen zum Anlass genommen, den legendären Schachtürken nachzubauen. Es ist der einzige vollständig funktionierende Nachbau in Europa.

Hinterlassen hat er vor allem eines: Die Redewendung: "Einen Türken bauen" oder "türken" wird noch heute benutzt!


Autor: Gundula David


Kupferstich von Racknitz   PD-Art