Die Schlacht bei Königgrätz 1866

In der Schlacht bei Königgrätz trafen im Deutschen Krieg die Truppen Preußens beim Dorf Sadowa am 3. Juli 1866 auf die Armeen Österreichs und Sachsens. In einem Gelände von etwa zehn Kilometer Breite und fünf Kilometer Länge bekämpften sich über 400.000 Soldaten in einer verlustreichen Schlacht. Zentren der Kämpfe bildeten die strategisch wichtigen Hügel Svíb bei Maslojed und Chlum bei Chlum. Durch den Sieg in dieser kriegsentscheidenden Schlacht wurde Preußen Führungsmacht in Deutschland und Bismarck setzte damit die kleindeutsche Lösung durch. Die Schlacht war einer der Wegbereiter für die Reichsgründung 1871.

 

Drei Wochen nach dem Einmarsch der Preußen in Böhmen benötigte die österreichische Armee des Nordens dringend einen größeren Sieg. Bei Sadowa versuchte der österreichische Befehlshaber Generalfeldzeugmeister Ludwig von Benedek, einen solchen zu erringen. Benedek hatte bereits Erfahrungen mit dem preußischen Zündnadelgewehr gemacht und entschied sich daher dafür, auf einer Reihe kleiner Hügel zwischen der Bistritz und der Elbe nahe der Festung Königgrätz Stellungen zu errichten. Er verließ sich darauf, dass in Stellung gegangene Infanterie und Artillerie, die über feste Distanzen feuerte, den preußischen Vormarsch aufhalten könnte, und behielt ein Drittel seiner Armee – fast 60.000 Männer und 320 Geschütze – für einen Gegenschlag in Reserve. Diesen wollte er führen, sobald der preußische Angriff an der Verteidigung gescheitert war.

Auf preußischer Seite hatte Helmuth von Moltke, Führer des Generalstabs, ein Zangenmanöver geplant. Moltkes Schlachtplan basierte auf dem simplen, aber in der Ausführung durchaus problematischen Prinzip: „Getrennt marschieren – vereint schlagen“. So setzte das preußische Oberkommando Ende Juni 1866 drei Armeen in Marsch – die Erste unter Prinz Friedrich Karl von Preußen, die Zweite unter dessen Vetter, dem Kronprinzen Friedrich-Wilhelm, und die Elbarmee unter General Herwarth von Bittenfeld –, die in einer groß angelegten Umfassungsbewegung die österreichische Streitmacht einkesseln und aufreiben sollten: die preußische Erste Armee würde demnach die Österreicher von Westen her binden, dann würden die Zweite und die Elbarmee die Österreicher vom Norden bzw. Süden aus einschließen.

Nach mehreren in der Mehrzahl von den preußischen Truppen siegreich bestandenen Gefechten im böhmischen Hochland vor Prag zwischen dem 26. Juni und 3. Juli kam es in den frühen Morgenstunden des 3. Juli zum Zusammentreffen der verfeindeten Heere am Swiep (Svíb) bei Sadová.

Die Schlacht begann bei starkem Regen. Die Vorhut der Ersten Armee wurde in einen Artillerieschusswechsel mit der Artillerie des X. Österreichischen Korps verwickelt. Als die Preußen versuchten, die Bistritz zu überqueren, beschlossen zwei österreichische Korpskommandanten an der rechten Flanke, sich in der Schlacht zu profilieren. Ohne die herannahende Zweite Preußische Armee zu bemerken, verließen Tassilo Festetics mit dem IV. Korps und Thun mit dem II. Korps ihre Stellungen und rückten nach Westen vor, wodurch eine Lücke in der österreichischen Verteidigung in nördlicher Richtung klaffte; dort, wo sich die Zweite Armee näherte. Am südlichen Ende der Front überquerte die Elbarmee am Morgen die Bistritz und stieß dann nach Osten vor, wobei Teile des VIII. Österreichischen Korps in die Flucht geschlagen und die Sächsische Armee am Nachmittag zurückgedrängt wurde, bevor der Schwung nachließ.

In der Mitte wurden Thun und Festetics in schwere Kämpfe im Swiepwald verwickelt. Zu Anfang hatten die Österreicher lediglich die Erste Preußische Armee vor sich – die Einheiten des Kronprinzen befanden sich noch im Anmarsch. Folglich erhöhte sich der Druck auf die zahlenmäßig unterlegenen preußischen Truppen vor Ort. Die 7. preußische Infanteriedivision unter Generalmajor Eduard Friedrich Karl von Fransecky, darunter insbesondere das 2. Magdeburgische Infanterieregiment Nr. 27, verschanzte sich im Swiepwald und versuchte in einem fürchterlichen Gemetzel, die Offensive zweier österreichischer Korps abzuwehren. An den Flügeln besetzten die Preußen den Wald bei Swiep. Ohne Artillerievorbereitung und Wissen der Heeresleitung versuchten die Österreicher unter Graf Festetics den Wald zurückzuerobern. Um diesen Wald entbrannte ein schwerer Kampf, wobei die 7. preußische Division unter hohen österreichischen Verlusten aufgerieben wurde und der rechte österreichische Flügel entblößt wurde. Schon wiegten sich die österreichischen Generäle im Gefühl eines sicheren Sieges, und im preußischen Hauptquartier entstand der erste Unmut gegen den unorthodoxen Aufmarschplan des exzentrischen Moltke. Selbst König Wilhelm I. und sein Ministerpräsident Bismarck befürchteten eine Niederlage. Da tauchte gegen Mittag, auf Höhe des gegenüber dem preußischen Generalstab liegenden Dorfes Horenowes, das 1. Garderegiment zu Fuß auf. Es bildete die Avantgarde des zur Zweiten Armee gehörenden preußischen Gardekorps – die Armee des Kronprinzen war da und nahm gemeinsam mit den von Südwesten her angreifenden Elbdivisionen Nr. 14, 15 und 16 die in die einsame Division im Swiepwald verbissenen österreichischen Truppen in die Zange.

Gegen ein Uhr, als Benedek den Befehl zum Einsatz der Reserve geben wollte, erhielt er eine Nachricht vom Norden. Die preußische Garde – Teile der Zweiten Armee – griff Chlum an. Die österreichischen Stellungen im Swiepwald brachen zusammen. Thun ordnete den Rückzug seines Korps über die Elbe an, wodurch die österreichische Lage noch exponierter wurde. Benedek selbst führte eine Infanteriebrigade in einen wirkungslosen Gegenangriff. Die österreichische Reserve attackierte im Norden und konnte fast Chlum im Nahkampf erobern, wurde jedoch kurz vor dem Ziel aufgehalten. Zuletzt attackierte die österreichische Kavallerie ohne Erfolg. Der Gegenangriff war damit beendet. Da eine Einkesselung der gesamten österreichischen Armee drohte, gab von Benedek gegen vier Uhr die Schlacht auf und befahl den Rückzug auf Königgrätz. Die Truppen wurden durch preußische Kavallerie verfolgt. Die österreichische Artillerie feuerte massiv über die Straße nach Königgrätz und deckte damit den Rückzug der Armee.

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