Die Schlacht bei Tannenberg 1410

An den Ufern der Ostsee hatte im Mittelalter der Deutsche Orden, ehemalige Kreuzritter, einen eigenen Staat errichtet. Ihre offizielle Aufgabe war die Mission der heidnischen Stämme im Baltikum. Als sich im Laufe der Zeit immer mehr ihrer Nachbarn auch ohne ihr Zutun taufen ließen, geriet der Deutsche Orden in Erklärungsnot.  Mehr und mehr sträubten sich in Folge sowohl die christlichen Reiche Litauen und Polen, als auch die Hansestädte auf dem Gebiet des Ordensstaates gegen den Einfluss des Ritterordens.

Um 1400 spitzten sich die Konflikte zwischen dem Ordensstaat und dem polnischen König Wladyslaw zu, als dieser einen Aufstand gegen den Deutschen Orden offen unterstützte. Der Hochmeister Ulrich von Jungingen erklärte 1409 daraufhin die Fehde gegen König Wladyslaw. Nach einigen militärischen Erfolgen der Ritter, erklärte man für den Winter einen Waffenstillstand. Im Frühjahr sollte dann ein diplomatischer Ausweg zu finden oder die Fehde fortzusetzen sein. Doch die Verhandlungen scheiterten. Beide Seiten wollten nun eine Entscheidung auf dem Schlachtfeld finden.

 

Mitte Juli 1410 standen sich schließlich bei Tannenberg die beiden verfeindeten Heere gegenüber. Auf der einen Seite die Polen unter ihrem König Wladyslaw mit ihren Verbündeten aus Litauen insgesamt zwischen 26 000 und 39 000 Mann stark. Darunter waren vor allem bei den Litauern auch viele leicht bewaffnete Reiter und sogar Krieger aus dem Steppenvolk der Tartaren, die dem Ritterheer an Ausrüstung deutlich unterlegen waren. Bei den polnischen Soldaten hingegen herrschte ein Nachteil durch eine Art Aberglauben, wie der Historiker Udo Arnold erläutert: „Der Deutsche Orden zelebrierte die Gottesmutter als Schutzpatronin, etwa bei der Benennung von Burgen. Daneben war sein Heer militärisch nie besiegt worden. Daraus hatte sich ein Nimbus der Unbesiegbarkeit durch höheren Beistand entwickelt.“

Doch auch das Ordensheer hatte seine Probleme. Zum einen blieb die Unterstützung durch den deutschen Kaiser aus, der innenpolitisch mit allen Kräften gebunden war. Zum anderen waren die livländischen Ritter dem Heer ferngeblieben. Insgesamt bestanden die versammelten Truppen aus 11 000 bis 27 000 Mann, waren dem Gegner also zahlenmäßig unterlegen. Doch durch die bessere Ausbildung und Bewaffnung fühlte man sich dem Heer König Wladyslaws durchaus gewachsen. Vor allem die neuartigen Steinbüchsen, eine frühe Art von Kanonen sollten die Entscheidung bringen.

Als der Tag der Schlacht, der 15. Juli 1410, anbrach, blieben die Heerführer zögerlich. Das Ordensheer konnte nicht gegen die Polen und Litauer vorrücken, die sich in gesicherten Stellungen in Wäldern und Sümpfen befanden. Ob diese Zurückhaltung mit dem Nimbus der Unbesiegbarkeit des Ritterordens zusammenhing, erscheint für Udo Arnold fraglich: „Die Truppen des Deutschen Ordens hatten sich mit der Sonne im Rücken aufgestellt und die Polen warteten einfach, bis für sie bessere Sichtverhältnisse herrschten.“ Als die gepanzerten Pferde und Ritter der Deutschen so bis in die Mittagsstunden in sengender Hitze ausharrten, übersandte Hochmeister Ulrich von Jungingen König Wladyslaw zwei Schwerter mit der Bitte, den Kampf doch nun endlich zu beginnen.

Auf dem linken Flügel griffen daraufhin die Litauer an und wurden umgehend durch eine Gegenattacke des Ordensheeres zurückgeschlagen. Dadurch gerieten jedoch die deutschen Ritter ins Schussfeld der Steinbüchsen, sodass diese nicht eingesetzt werden konnten. Viele waren jedoch durch feuchtes Pulver ohnehin unbrauchbar gewesen. Auf dem rechten Flügel gerieten daraufhin auch die polnischen Heeresteile mit dem Ordensheer in Kontakt. Nach heftigen Gefechten erbeutet der Deutsche Orden schließlich die Flagge des polnischen Königs – ein Zeichen, dass er gefallen sein musste. Voller Dankbarkeit stimmte das Heer einen Choral zum siegreichen Ausgang der Schlacht an.

 

Doch die Schlacht war noch lange nicht gewonnen. Bei der Verfolgung der Litauer auf dem linken Flügel hatten die Ritter ihre geordnete Formation aufgegeben und wurden nun ihrerseits von den leichten Reitern eingekesselt. Und auch der Triumph auf dem rechten Flügel erwies sich als trügerisch. So war König Wladyslaw keineswegs gefallen und auch seine Flagge wurde durch einen Gegenangriff rasch zurückerobert. In dieser Situation entschied sich der Feldherr und Hochmeister des Deutschen Ordens Ulrich von Jungingen persönlich ins Geschehen einzugreifen.

 

Mit einer Eliteeinheit warf er sich gegen den Feind und wurde dabei getötet. Da er für diesen Fall keinen Nachfolger als Befehlshaber bestimmt hatte, wurde die folgende Niederlage des Ordensheeres zur Katastrophe. Ohne klare Anweisungen verfiel die Aufstellung in Unordnung und die einzelnen Einheiten wurden Stück für Stück von den Polen niedergemacht. Eine letzte Verteidigungslinie im deutschen Lager leistete noch eine Weile Widerstand, bis auch sie durchbrochen wurde. Mit den Ketten, die im Lager für gefangene Gegner vorbereitet gewesen waren, wurden nun die Ordensritter selbst gefesselt.

 

 

 

(Quelle: Private Bücher)