Die Schlacht bei Tannenberg 1914

Die Schlacht bei Tannenberg war eine Schlacht des Ersten Weltkrieges und fand in der Gegend südlich von Allenstein in Ostpreußen vom 26. August bis 30. August 1914 zwischen deutschen und russischen Armeen statt. Die deutsche Seite stellte hierbei 153 000 Soldaten, die russische Seite 191 000 Soldaten ins Feld. Sie endete mit einem Sieg der deutschen Truppen und der Zerschlagung der ins südliche Ostpreußen eingedrungenen russischen Kräfte.

Anfänglich in den deutschen Medien als" Schlacht bei Allenstein bezeichnet", wurde sie auf Wunsch Paul von Hindenburgs kurze Zeit danach zu Propagandazwecken in Schlacht bei Tannenberg umbenannt. Tatsächlich liegt nicht die Ortschaft Tannenberg  unmittelbar im Hauptkampfgebiet, sondern Hohenstein. Mit der Namensgebung sollte die in der deutschen Geschichtsschreibung als Schlacht bei Tannenberg bezeichnete Niederlage der Ritter des Deutschen Ordens gegen die Litauisch-Polnische Union im Jahre 1410 überstrahlt werden.


( Siehe die Schlacht bei Tannenberg 1410 )

 

Ostpreußen bildete durch seine geografische Lage als Gebietsvorsprung in russisches Territorium eine strategisch besonders verwundbare Position. Aufgrund der schlechteren Infrastruktur Russlands sah der Schlieffen-Plan bei einer simultanen Kriegserklärung Frankreichs und Russlands vor, dass Frankreich vier Wochen schneller mobilisieren könne. Daher sollte zunächst die gesamte Heeresmacht gegen Frankreich entsandt werden. Die deutsche Oberste Heeresleitung stationierte 7 Armeen an der Westfront, um einen schnellen Sieg gegen Frankreich herbeizuführen. Aufgrund der Julikrise, die Russland bereits zur Mobilisierung genutzt hatte, war die Situation genau umgekehrt. Die Provinz wurde nur durch die 8. Armee verteidigt und war somit auch der geringen Truppenstärke wegen besonders gefährdet. Diesen Umstand hatte das russische  Hauptquartier schon in seiner Vorkriegsplanung berücksichtigt. Um seine westlichen Verbündeten zu entlasten, schickte das russische Oberkommando zwei Armeen gegen Ostpreußen. Die 1. Armee  unter Paul von Rennenkampf stieß von Osten vor, die 2. Armee  unter Alexander Samsonow drang von Süden in Ostpreußen ein.

Während der ersten Operationstage schien diese Strategie aufzugehen. Die russische 1. Armee rückte auf ostpreußisches Territorium vor und erzielte nach der Schlacht von Gumbinnen am 19. August einen ersten Einbruch. Der russische Generalstab rechnete damit, dass sich die Deutschen, die in Ostpreußen nur eine Armee zur Verfügung hatten, über die Weichsel zurückziehen würden. Diese Einschätzung schien sich zunächst auch zu bewahrheiten: Der Oberbefehlshaber der 8. Armee, Generaloberst von Prittwitz, war verunsichert und signalisierte per Telefon der Obersten Heeresleitung in Koblenz den Rückzug der Armee hinter die Weichsel. Dies entsprach zwar der Handlungsdirektive, dennoch glaubte Helmuth Johannes Ludwig von Moltke, Prittwitz sei der Situation nicht mehr gewachsen. Am 22. August wurde er plötzlich und für seinen gesamten Stab unerwartet zur Disposition gestellt und an seiner Stelle wurde das Kommando dem pensionierten General der Infanterie Paul von Hindenburg mit Generalmajor Erich Ludendorff als Chef des Generalstabes übergeben. Der nichtadelige Ludendorff hatte sich bereits an der Westfront bei der Eroberung von Lüttich ausgezeichnet. Für die beiden preußischen Offiziere kam eine "kampflose" Räumung deutschen Kernlandes nicht in Frage. Das russische Oberkommando, von diesem Wechsel in Unkenntnis geblieben, ging nach dem Abbruch der Schlacht von Gumbinnen nun gestärkt von der Annahme aus, dass Ostpreußen geräumt werde. Die 1. Armee wurde mit dem Ziel Königsberg in Marsch gesetzt, um die 8. Armee an sich zu binden. Die 2. Armee sollte dem so gebundenen Gegner den Rückzug verlegen und in den "Rücken fallen". Somit bewegten sich beide Großverbände räumlich getrennt voneinander und konnten einander kaum Unterstützung leisten.

 

Nach dem Abbruch der Schlacht bei Gumbinnen entschied sich Ludendorff dem Vorschlag Max Hoffmanns zu folgen, zunächst die 2. Armee zu bekämpfen, um sich den Rückzug über die Weichsel offen zu halten und beide Armeen getrennt zu schlagen, was somit den zahlenmäßigen Vorteil der Russen kompensieren konnte. Schon vor seinem Eintreffen wurde das I. Armee-Korps der 8. Armee unter General Hermann von François von Gumbinnen per Eisenbahn nach Süden westlich der Vormarschachse der russischen 1. Armee verschoben. Nachdem er durch Luftaufklärung und das Abhören unverschlüsselter russischer Funksprüche über die Positionen wie auch Befehle des Gegners im Klaren war, setzte der Generalstabschef Ludendorff eine generelle Absetzbewegung des Restes in Gang. Die russische Armee Paul von Rennenkampfs sollte nur durch einen kleinen "Vorhang" aus einer Landwehrdivision und der einzigen Kavalleriedivision an weiteren Operationen gehindert werden. Zwei Korps unter August von Mackensen und Otto von Below sollten im Eilmarsch der 2. Armee entgegen marschieren, während die restlichen Truppen bei Allenstein eine Verteidigungsstellung beziehen sollten. Dieser Plan wurde durch die Unkenntnis der russischen Befehlshaber über die Lage erleichtert. Rennenkampf reagierte auf den Rückzug erst drei Tage nach seinem Beginn am 23. August. Der übergeordnete Frontbefehlshaber der beiden Armeen von General Jakow Schilinski interpretierte dieses Verhalten zu diesem Zeitpunkt falsch, weil es den Erwartungen der russischen Armeeführung entsprach: In dem sicheren Glauben, dass die deutschen Einheiten vor dem Druck der 1. Armee ausgewichen seien und sich auf Königsberg zurückzögen, ließ er keine Vorsicht walten. Dass die Truppen gegen die südliche 2. Armee unter Samsonow gewendet werden könnten, zog er kaum in Betracht.

Während dieser Ereignisse hatte die 2. russische Armee schon ihren zehnten Marschtag hinter sich, da auf Befehl des Frontstabes aus Sicherheitsgründen die Truppen bereits tief im eigenen Hinterland aus den Eisenbahnwaggons ausgeladen wurden und den Rest des Weges zu Fuß marschieren mussten. Allerdings bewegten sich nur die zentralen Teile und der rechte Flügel der Armee auf deutschem Gebiet. Auf der linken Seite wurde das I. Korps unter Artamanow auf Befehl Schilinskis an der Grenze zurückgehalten, um die Flanke zu decken. Weiterhin drängte der Oberkommandierende auf einen schnellen Vorstoß der 2. Armee, was das Zentrum und ihre westliche Flanke vollkommen trennte. Somit wurde hier aus der geplanten Flankensicherung die Isolierung eines Viertels der russischen Streitkräfte. Genau nördlich des russischen I. Korps positionierte sich das I. Armee-Korps von Hermann von François, ohne dass die russischen Stäbe durch Aufklärung davon erfahren hätten.

 

Am 25. August gab Ludendorff den Befehl zum Angriff für diese Verbände. Hermann von François reagierte kaum und erreichte am 26. zunächst nur Seeben und nahm erst am 27. nach einem Besuch des Generalstabschefs den Angriff auf. Er begründete sein Zögern damit, dass seine Artillerie noch nicht nahe genug an die Ausgangsstellungen herangerückt sei und er einen Angriff somit noch nicht verantworten könne. Dies hatte zur Folge, dass die russischen Truppen der Mitte – in Unkenntnis der Gefahr, die ihrem linken Flügel drohte – gemäß dem Befehl des Frontstabs immer weiter ins Landesinnere vorrückten. Als von François seinen Angriff schließlich startete, durchbrach er dank materieller Überlegenheit die Stellungen des unvorbereiteten I. russischen Korps, das daraufhin den Rückzug antrat. Die 1. Division stieß bis zum Abend des Tages bis zur Grenze bei Soldau vor. Die 2. Division erreichte Neidenburg, um die Einschließung zu vollenden.

Doch auch an der rechten Flanke der russischen Armee hatten sich die Ereignisse bereits überschlagen. Das russische VI. Korps unter Blagoweschtschenskij war am weitesten in deutsches Territorium vorgedrungen. Allerdings hatte es nach Samsonows Befehl nur den Vormarsch der zentralen Einheiten zu decken, und ihr Kommandeur war nicht darauf vorbereitet, auf den Gegner zu treffen. Dies rührte daher, dass das Frontkommando die beiden Großverbände in Königsberg wähnte. Unter diesen Umständen traf dieser östlichste Verband der 2. russischen Armee auf die zwei deutschen Korps unter Mackensen und Below. Diese waren aufgrund der deutschen Absetzbewegung von Gumbinnen her gegen die 2. Armee angerückt. Mit Hilfe des Überraschungsmoments gelang es den beiden deutschen Truppenführern, ihre lokale Überlegenheit von zwei zu eins auszunutzen und das russische Korps zu einem ungeordneten Rückzug zu zwingen. Ludendorff schien allerdings vom Erfolg seiner eigenen Offensive überrascht. Er sah zwar die Möglichkeit, die russische Armee einzukesseln, doch drängte er auf Konsolidierung, weil die mittleren Anteile von Samsonows Verband bereits starken Druck auf die Verteidigungsstellungen der Deutschen bei Allenstein ausübten und somit Gefahr bestand, dass die deutschen Linien im Zentrum durchbrochen werden könnten. Infolgedessen ging er daran, die eigenen Flügel zu schwächen. Belows Korps wurde abkommandiert, die eigenen Verteidigungsstellungen zu verstärken, und nur noch von Mackensens Korps sollte weiterhin an der Umfassung arbeiten. General von François erhielt von Ludendorff Order, seinen Vormarsch einzustellen und ebenso Truppen an den zentralen Abschnitt abzutreten. Allerdings verweigerte der untergeordnete Kommandeur diesen Befehl und ignorierte ihn kommentarlos.

 

So konnten sich seine Kavalleriespitzen bei Willenberg am 28. August mit der Vorhut Mackensens vereinigen. Die 2. Armee, die eigentlich den angenommenen Rückzug der Deutschen abschneiden sollte, war dadurch selbst eingeschlossen worden.

Damit waren die Russen vom Nachschub abgeschnitten, und die Nachricht, dass deutsche Verbände den Rückzugsweg versperrten, verbreitete sich wie ein Lauffeuer unter den Männern des Zaren. Zu der durch diesen Schock geschaffenen Verwirrung trug noch bei, dass die verbleibenden Einheiten im Zuge der Kampfhandlungen selbst verstreut im Kessel lagen und es Samsonow nicht gelang, Verbindung mit seinen Truppen herzustellen. Kleinere Einheiten versuchten zwar spontan den Ausbruch, so dass 10 000 Mann durch die dünne Linie der deutschen Kräfte entkommen konnten. Das Gros der Armee kapitulierte allerdings desorganisiert und demoralisiert. Den meisten Soldaten blieb das Gefühl, durch ihre Truppenführer verraten worden zu sein. Am 30. August traf allerdings eine Meldung sowohl beim AOK als auch General François ein, das I. russische Armeekorps unter General Artamanow marschiere von Mława nach Norden und stehe ca. 6 km vor Neidenburg, um der eingeschlossenen Armee Entlastung zu bringen. Zwar setzte das Armeeoberkommando alle verfügbaren Truppen in Marsch. Diese wären allerdings erst am 31. August eingetroffen. Die Situation wurde von François gerettet. Dieser warf sich bei Neidenburg dem Gegner mit allen Soldaten, die ihm noch übrig blieben, frontal entgegen, ohne die Einschließung im Norden aufzugeben. Daraufhin drehten die Entsatztruppen bei. General Samsonow beging noch am gleichen Tag in dieser verzweifelten Lage Selbstmord. Der Ort wird noch heute durch den Samsonow-Stein markiert.



 

 

 

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