Die Schlacht von Worringen 1288

Am frühen Morgen des 5. Juni 1288, nachdem er die Morgenmesse besucht und gebeichtet hatte, machte sich Erzbischof Siegfried von Westerburg von seinem Lager in Brauweiler mit seinem Heer auf den ca. zwölf Kilometer langen Weg in Richtung Worringen. Johann von Brabant, durch Späher über das Herannahen des erzbischöflichen Heeres informiert, zog ihm von Worringen aus entgegen und bezog Stellung auf einer Anhöhe südostwärts des Worringer Bruchs. Vermutlich gegen 11:00 Uhr traf der Erzbischof mit seinen Truppen dort ein. Seine Aufstellungen formierten sich westlich des heutigen Fühlingen, dabei nahmen auf Seiten des Erzbischofs die Luxemburger die mittlere Position gegenüber den Brabantern ein. Der Erzbischof selbst mit seinen kölnischen Truppen stellte sich auf dem rechten Flügel gegenüber den Truppen der Grafen Adolf von Berg und Eberhard von der Mark auf, denen sich ganz außen das auf dem Flügel befindliche Fußvolk der Stadt Köln und der märkischen und bergischen Bauern anschloss. Der Graf von Geldern bezog auf dem linken Flügel Stellung gegenüber den Reitern der Jülicher und des Grafen von Looz sowie dem brabantischen Fußvolk, das ganz außen positioniert war.

Gleich zu Beginn der Schlacht gelang es dem Erzbischof, das bergische Fußvolk und die Kölner Miliz zu überreiten und in die Flucht zu schlagen. Doch begab sich der Erzbischof damit in eine strategisch äußerst ungünstige Position, die beinahe zur Auflösung seiner Formation führte. Nach Meinung des Militärhistorikers Ulrich Lehnart war diese frühe Aktion des Erzbischofs bereits das entscheidende Ereignis, das den Ausgang der Schlacht bestimmen sollte. Der heftigste Kampf tobte in der Mitte der beiden Fronten zwischen den Brabantern und den Luxemburgern. Dabei verloren zuerst Walram von Luxemburg-Ligny, dann Heinrich von Luxemburg, Heinrich von Houffalize, Bastardbruder Heinrichs, und dessen jüngerer Bruder Balduin ihr Leben. Damit war eine ganze Generation des Hauses Luxemburg ausgelöscht.

Vermutlich gegen 15:00 Uhr griffen die Ritter der Grafen von Berg und von der Mark mit den Kölner Patriziern und dem Fußvolk der bergischen Bauern und der Kölner Miliz erneut auf der rechten Flanke den Erzbischof und seine Truppen an. Angefeuert durch die flammende Rede des Walter Dodde und das Vorbild des Patriziers Gerhard Overstolzen, griffen diese mit aller Gewalt wieder in das Kampfgeschehen ein, um so ihr Debakel vom Morgen auszugleichen. Der als Panzerreiter gerüstete Overstolzen war von seinem Pferd gestiegen und hatte sich zu Fuß an die Spitze des Fußvolks gestellt, brach später vor Erschöpfung zusammen und starb ohne Kampf.

Die Kampfweise der bergischen Bauern und der Kölner Miliz wird dergestalt beschrieben, dass sie auf alles und jeden einschlugen, egal ob Feind oder Freund. Vermutlich lag dies auch daran, dass sie die meisten Wappen nicht kannten und deswegen kaum zwischen Feind und Freund unterscheiden konnten.

Der Erzbischof musste seine Lage bald als aussichtslos erkennen und bot Gottfried von Brabant seine Kapitulation an. Das Fußvolk der bergischen Bauern und der Kölner Miliz eroberte den Fahnenwagen des Erzbischofs, was den völligen Zusammenbruch des Widerstands des kurkölnischen Flügels bewirkte. Wem die Flucht nicht mehr gelang, der wurde gefangengenommen.

Auch Reinald von Geldern auf dem linken Flügel musste seine Situation bald als aussichtslos erkennen. Beim Versuch, unerkannt zu fliehen, geriet er in die Gefangenschaft des Herzogs von Brabant. Walram von Valkenburg war der letzte Vasall des Erzbischofs, der nach heftigem Zweikampf mit dem Propst des Aachener Marienstifts das Schlachtfeld verließ. Dabei verdankte er es der Hilfe des Grafen Arnold von Loon, dass ihm die Flucht gelang.

Die letzten Kampfhandlungen fanden zwischen den Skavedriesch und den Mulrepas statt, die hier ihren eigenen Konflikt auszutragen schienen. Schließlich ergaben sich auch die noch lebenden Skavedriesch, womit alle Kampfhandlungen beendet waren. Dies dürfte ungefähr gegen 17:00 Uhr der Fall gewesen sein.

Die überlebenden Ritter und ihre Pferde wurden gefangengenommen und versprachen reichlich Lösegeld.

Die meisten Toten auf dem Schlachtfeld waren durch die Hufe der Pferde bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Darüber hinaus war auch die Leichenfledderei des Fußvolks dafür verantwortlich, dass man die Toten nicht mehr an ihren Wappenröcken identifizieren konnte. Die Leichen wurden in mehreren Massengräbern bestattet.

Heutige Schätzungen halten es für wahrscheinlich, dass an der Schlacht ca. 10.000 Kämpfer beteiligt waren. Lehnart ermittelt für die brabantischen Streitkräfte ca. 2.300 Panzerreiter , für die Kurkölnischen ca. 2.800. Der Anteil der Kölner Patrizier auf brabantischer Seite soll aus ca. 60 Panzerreitern bestanden haben.

Das Fußvolk der brabantischen Seite wird auf ca. 2.500 Mann geschätzt, davon 500 bergische Bauern und 1.500 Kölner Miliz, das der erzbischöflichen auf ca. 1.400.

Quellen zufolge sollen 1.100 Kämpfer den Tod auf dem Schlachtfeld gefunden haben, 700 später an ihren Verletzungen gestorben sein. In Köln soll es nach der Schlacht mehr als 700 Witwen gegeben haben. In den Massengräbern sollen 600 Kämpfer bestattet worden sein.

Das Fußvolk hat demnach die größten Verluste hinnehmen müssen. Angesichts der Tatsache, dass mittelalterliche Reiterschlachten nicht darauf ausgerichtet waren, den Gegner zu töten, sondern gefangenzunehmen, um für seine Freilassung Lösegeld zu erhalten und so die eigenen Kriegskosten decken zu können, erscheint das realistisch.

Die äußerste Härte, mit der die bergischen Bauern und die Kölner Miliz bei ihrem zweiten Eingreifen vorgegangen sind, dürfte der Grund dafür gewesen sein, dass viele Panzerreiter sich lieber in die Gefangenschaft der gegnerischen Ritter begeben haben, als vom gegnerischen Fußvolk erschlagen zu werden.

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